Zwei Wege in die Höhe – doch welcher ist der richtige?
Wenn Arbeiten an Fassaden, Dächern oder technischen Anlagen in der Höhe anstehen, greifen die meisten Bauherren und Facility Manager reflexartig zum Gerüst. Doch das ist nicht immer die wirtschaftlichste oder schnellste Lösung. Die Seilzugangstechnik (Rope Access) hat sich in den letzten Jahrzehnten als leistungsstarke Alternative etabliert – besonders dort, wo Flexibilität, Geschwindigkeit und minimale Beeinträchtigung zählen.
Kostenvergleich: Gerüst vs. Seilzugang
Ein Fassadengerüst für ein mehrstöckiges Gebäude kostet schnell mehrere Tausend Franken – allein für Auf- und Abbau. Dazu kommen Standgebühren, Transportkosten und die Bewilligungspflicht für Gerüste auf öffentlichem Grund. Die Seilzugangstechnik benötigt lediglich Anschlagpunkte am Dach oder an der Fassade. Mobilisierung und Demobilisierung sind in Stunden statt Tagen erledigt.
Faustregel: Bei punktuellen Arbeiten (Reparaturen, Inspektionen, Reinigungen) ist Seilzugang fast immer günstiger. Bei grossflächigen, langfristigen Arbeiten (komplette Fassadensanierung) kann ein Gerüst wirtschaftlicher sein.
Zeitfaktor: Sofort einsatzbereit
Während ein Gerüst je nach Grösse Tage bis Wochen für den Aufbau benötigt, sind Industriekletterer innerhalb weniger Stunden einsatzbereit. Das ist besonders relevant bei dringenden Einsätzen wie Sturmschäden, Notfallreparaturen oder kurzfristigen Inspektionen.
Notfalleinsätze bei Sturmschäden
Flexibilität und Zugänglichkeit
Seilzugangstechnik erreicht Stellen, die für Gerüste unzugänglich sind: Brückenuntersichten, Siloinnenwände, Schächte, steile Felswände oder verwinkelte Dachkonstruktionen. Auch in sensiblen Umgebungen – etwa historischen Gebäuden oder laufenden Produktionsbetrieben – ist Seilzugang die schonendere Methode.
Sicherheit: Gleichwertig und reguliert
In der Schweiz ist die Seilzugangstechnik durch BauAV Art. 82 klar geregelt. Industriekletterer arbeiten immer mit zwei voneinander unabhängigen Seilsystemen (Arbeitsseil und Sicherungsseil). SPRAT, IRATA und SHRV definieren strenge Ausbildungs- und Zertifizierungsstandards. Die Unfallrate in der professionellen Seilzugangstechnik liegt nachweislich tiefer als in vielen anderen Baubranchen.
Wann welche Methode?
- Seilzugang: Punktuelle Arbeiten, Inspektionen, Notfälle, schwer zugängliche Bereiche, kurze Einsätze
- Gerüst: Grossflächige Fassadenarbeiten, lange Einsatzdauer, viele Gewerke gleichzeitig
- Kombination: Teilgerüste ergänzt durch Seilzugang für schwer erreichbare Abschnitte
PHabseiling berät Sie neutral und empfiehlt die Methode, die für Ihr Projekt am sinnvollsten ist – auch wenn das manchmal ein Gerüst bedeutet. Denn Sicherheit und Wirtschaftlichkeit haben immer Vorrang vor dem eigenen Leistungsangebot.
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